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Neuigkeiten

22.03.2010

Das Sprengel Museum Hannover – die Perle am Maschsee

Der Wettbewerb zur Erweiterung des Sprengel Museum Hannover hat aus einem mit 65 international bemerkenswert hochkarätigen Teilnehmern besetzten Feld einen würdigen Entwurf hervorgebracht, der in jeder Hinsicht und ausnahmslos dem gerecht wird, was von allen Beteiligten von diesem neuen Gebäude überhaupt nur erwartet werden kann.


Zum einen geht es hier sicherlich um qualitativ hochwertige Architektur, zum anderen aber ist eine Hülle gefordert, die den vielseitigen funktionalen Anforderungen von komplexen Museumsabläufen  gerecht werden muss. Dann, um die Erweiterung überhaupt realisieren zu können, ist ein Budget von 25 Mio € einzuhalten und nicht zuletzt muss sich der Bau  gegenüber einer international wegen ihrer Qualität geachteten Sammlung bewähren.

Klar und schnell musste die hochengagierte Preisgerichtsjury im Ausscheidungsprozess der zweitägigen Jurysitzung die unterschiedlichen Typologien gegeneinander abgrenzen und bewerten. Ansätze, u.a. das bestehende Museum „weiter zu bauen“, es mit einem „Hochpunkt“ zum Abschluss zu bringen, es mit „spektakulärer“ Architektur zu konfrontieren, es durch ein „Denkmal“ zu ignorieren oder es durch einen sich unterordnenden Funktionsbau aufzuwerten, mussten grundsätzlich diskutiert werden.

Worin sich die Jury angesichts der zur Auswahl stehenden Lösungsansätze schnell einig war, ist, dass sich hier keinesfalls die Frage nach einem „neuen“ Museumsbau stellt. Vielmehr geht es um die Erweiterung eines Bestandsbaus, mit dem es angemessen umzugehen gilt. Architekten, die dies ignoriert haben, gar „ihr“ eigenes, neues Museum noch mit einer eigenen Eingangsgeste versehen wollten, wurden der Aufgabe sicher nicht gerecht.

Selbstverständlich wurden bis in die letzte Runde Ansätze mit  dem sog. „Bilbao“-Effekt diskutiert. Sicherlich sind es andere Vorraussetzungen, ob man in einer verkommenden Industriebrache Spaniens oder am Maschsee an der Seite des Sprengel Museum Hannover baut - mit seiner bereits vorhandenen Strahlkraft. Die Überlegung, ein spektakuläres Gebäudes könne auch in Hannover eine zusätzliche Magnetwirkung ausüben, ist sicher im ersten Moment verführerisch und nur zu verständlich, jedoch keine Antwort auf die Frage nach der künftigen Fortentwicklung der Sammlungsgeschichte.

Da sind spektakuläre Architekturansätze von teilweise zu Stararchitekten überhöhten Planern nicht angemessen. Der Museumsgründer Bernhard Sprengel hätte nie ein architektonisches Denkmal über die Kunst setzen wollen.Vielmehr können wir mit stolz den Leitspruch Bernhard Sprengels auch hier heranziehen: „Denn Sprengel  meint, auf den Inhalt kommt es an...!“ Das Bestandsgebäude, mit dessen Geist nun umzugehen ist, wird dem gerecht.

Somit fiel einstimmig das Votum auf den Entwurf von Marcel Meili aus der Schweiz.

Kein anderer hat sich so spürbar intensiv mit der Sammlungsgeschichte und der Qualität der Ausstellungsstücke beschäftigt. Niemand hat sich so sensibel mit der Frage auseinander gesetzt, wie man einerseits eine Erweiterung baut, gleichzeitig aber ein neues Gebäude platziert, welche die Fehler des Bestehenden nicht wiederholt. Die elegant und verführerisch einfache Geste der innen liegenden Spirale, die als Verbindungsgelenk die Funktionen und die Baukörper über verschiede Höhen miteinander verbindet und gleichzeitig einem Veranstaltungsraum Platz gibt, zeigt dies überzeugend.

Bestechend leicht und spielerisch zurückhaltend sind die Raumfolgen Meilis und stehen in funktionaler Verbindung mit der klaren Anordnung der Lager- und Anlieferungflächen. Auch diese Kernanforderung ist bestmöglich bewältigt worden.

Die ersten Stimmen aus dem Museum, aus dem Rathaus, der Besucher der Wettbewerbsausstellung und nicht zuletzt der Presse äußern sich durchweg positiv.
Lediglich dem Ruf nach einer spektakuläreren Ausdrucksform sollte man nochmals entgegnen.

Wer in der klaren äußere Geometrie des Baukörpers nicht die spektakuläre Umsetzung erkennen will, der sollte sich genauestens mit den Details dieser Umsetzung, dem Umgang mit der Nachbarschaft und auch mit der fast schon gewagten Neuinterpretation einer modernen Glasfassade beschäftigen.

Hier sollte zwischen über lange Jahre bestätigter Qualität und den Einflüssen des modernen Zeitgeists unterschieden werden, dem wir sicher alle ausgesetzt sind. Die Zeit, diesen Unterschied zu erkennen, sollte sich jeder nehmen. Man kann ihn bestens sehen und spüren in der Auseinandersetzung mit der Sammlung Sprengel, gleich nebenan.

Die neue Perle kann auf lange Sicht bestehen und bietet beste Vorraussetzungen, dies auch am hoffentlich bald realisierten Beispiel innen wie außen erlebbar zu machen.

Mit der gekürten Museumserweiterung erhält Hannover ein Geschenk und mit Marcel Meili einen Architekten, der das nötige Gespür hat, es den Bürgern zu überreichen. Nun liegt es an allen Beteiligten, dieses Geschenk auch wertzuschätzen und mit Stolz entgegen zu nehmen.

In den Diskussionen um den ersten Bauabschnitt des Museums in den 70ern stieß der Neubau auf Ablehnung. Nun ist es Zeit für Wiedergutmachung und jeder kann etwas dafür tun, um das, was uns jetzt so stolz macht, auch von Beginn an zu unterstützen.


Tilman Kriesel
Jurymitglied des Wettbewerbs
 

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Fotonachweis Foto: Aline Gwose, Michael Herling, Benedikt Werner Veröffentlichung gegen Namensnennung und Belegexemplar an: Sprengel Museum Hannover Gwose/Herling/Werner Kurt Schwitters Platz 30169 Hannover Photo credit Photo:Aline Gwose, Michael Herling, Benedikt Werner Publication is permitted only with indication of the photo-credit! Sprengel Museum Hannover Gwose/Herling/Werner Kurt Schwitters Platz 30169 Hannover

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